Schiefe Zähne, ein schmaler Kiefer oder ein offener Biss – viele Zahnfehlstellungen haben eine überraschende Ursache: die falsche Position der Zunge. Wenn ein Kind dauerhaft durch den Mund atmet, verändert sich die Zungenruhelage – und damit die gesamte Kieferentwicklung. Dieser Artikel erklärt den Zusammenhang und zeigt, wie Eltern frühzeitig gegensteuern können.
Die Zunge als natürlicher Kieferformer
Die Zunge ist einer der wichtigsten Formgeber für den Oberkiefer. Im Ruhezustand sollte sie flach am Gaumen anliegen. In dieser Position übt sie sanften, gleichmäßigen Druck nach oben aus – der entscheidende Wachstumsreiz für einen breiten und gut ausgeformten Gaumen mit ausreichend Platz für alle Zähne. Die Zunge ist Teil des Systems von innen, Lippen und Wangen bilden von außen den Gegendruck. Dieses muskuläre Gleichgewicht formt die Gesichts- und Kieferstruktur – Tag für Tag.
Was passiert bei Mundatmung?
Bei Menschen mit dauerhafter Mundatmung ist dieses Gleichgewicht gestört. Der Mund steht offen, die Lippen schließen nicht, und die Zunge sinkt auf den Mundboden.
Schmaler Oberkiefer und hoher Gaumen: Ohne den formenden Druck der Zunge wächst der Oberkiefer nicht in die Breite. Der Gaumen wird hoch und spitz. Der Raum in der Nasenhöhle verkleinert sich dadurch zusätzlich – ein Teufelskreis.
Zahnengstand: In einem zu schmalen Kiefer ist nicht genug Platz für alle Zähne. Die bleibenden Zähne werden schief, sind gedreht oder kommen überlappend durch („Haizähne“).
Offener Biss: Wenn die Zunge unten oder zwischen den Frontzähnen liegt statt am Gaumen, treffen die Schneidezähne beim Zubeißen nicht mehr aufeinander. Das erschwert das Abbeißen und kann die Aussprache beeinflussen.
Kreuzbiss: Bei einem zu schmalen Oberkiefer passen die Zahnreihen nicht mehr korrekt aufeinander.
Rückverlagerter Unterkiefer: Bei der Mundatmung liegt die Zunge tief im Mund und die Lippen sind inaktiv. Dadurch fehlt die natürliche Führung und Stabilisierung, häufig sind auch verkürzte orale Bänder beteiligt. Der Unterkiefer bleibt in einer nach hinten verlagerten Position. Der Atemweg wird dadurch enger und die Mundatmung wird noch verstärkt. Eine frühe Intervention ist sehr wichtig, da auch häufig der Schlaf betroffen ist.

Langfristig passt sich das Wachstum dieser Funktion an – besonders bei Kindern – sodass sich die rückverlagerte Kieferstellung weiter verstärken kann.
Tipp: Etwa 20 % aller Zahnfehlstellungen werden durch orale Gewohnheiten wie Mundatmung oder falsches Schlucken verursacht – also durch Faktoren, die behandelbar sind.
Warum die richtige Zungenlage so wichtig ist
Die korrekte Zungenruhelage bedeutet: Die gesamte Zungenfläche liegt entspannt am Gaumen, die Zungenspitze ruht hinter den oberen Schneidezähnen, der Mund ist geschlossen und die Atmung erfolgt durch die Nase. Diese Position unterstützt die Belüftung des Mittelohrs, fördert ein physiologisches Schluckmuster, stärkt das muskuläre Gleichgewicht im Gesicht und unterstützt die korrekte Aussprache von Lauten. Ist das Gleichgewicht im Mundraum gestört, äußert sich das z.B. in einem Sigmatismus („Lispeln“) und einem Schetismus (z.B. „ssuh“ anstatt Schuh).
Wann zum Kieferorthopäden?
Fachgesellschaften empfehlen eine kieferorthopädische Kontrolle meist ab einem Alter von etwa 4 bis 6 Jahren, insbesondere wenn Anzeichen wie ein häufig offener Mund in Ruhe, sichtbarer Engstand oder gedrehte Zähne, ein schmaler Oberkiefer, Schwierigkeiten beim Abbeißen, Lispeln oder eine erkennbare Rücklage des Unterkiefers auftreten.
Aus unserer Sicht sollte jedoch deutlich früher hingeschaut werden: Bereits im Säuglings- und Kleinkindalter können Hinweise wie Mundatmung, ein fehlender Lippenschluss oder eine tiefe Zungenlage erkannt werden. Ein frühzeitiges Wahrnehmen dieser Signale bietet die Chance, ungünstige Entwicklungen rechtzeitig zu beeinflussen.
Wichtig: Eine rein kieferorthopädische Behandlung korrigiert die Zahnstellung, aber nicht die Ursache. Wenn Mundatmung und eine falsche Zungenlage („infantiles Schluckmuster“) bestehen bleiben, sind Rückfälle häufig. Experten empfehlen einen ganzheitlichen Ansatz: Kieferorthopädie kombiniert mit myofunktioneller Therapie und Atemtraining.
In unseren (Video-) Beratungen nehmen wir uns Zeit für deine individuellen Fragen und unterstützen euch dabei, frühzeitig die richtigen Schritte einzuleiten.
Was hilft: Nasenatmung und Mundschluss trainieren
Die effektivste Strategie: Die Nasenatmung muss wieder zur Gewohnheit werden und die Lippen müssen den Mund dauerhaft schließen können. Der Labiando® Lippentrainer wurde genau dafür entwickelt. Das individuell angepasste Medizinprodukt nutzt sensorische Reize unterschiedlicher Intensität, um den Lippenschluss zu aktivieren und die Mundmuskulatur zu kräftigen. Der Labiando® wird exakt auf den Mund zugeschnitten – für Kinder ab 3 Jahren ebenso wie für Erwachsene.
Je nach Ausprägung kann eine ergänzende logopädische Therapie sinnvoll sein. Sie unterstützt die Korrektur der Zungenruhelage und kann dazu beitragen, den Behandlungserfolg langfristig zu stabilisieren. Sprich uns gerne an!
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Fazit
Der Mundschluss ist ein oft unterschätzter Faktor für die Zahnstellung und Kieferentwicklung. Mundatmung verändert die Zungenposition, und die veränderte Zungenposition verändert den Kiefer. Je früher Betroffene diesen Zusammenhang erkennen, desto einfacher und nachhaltiger ist die Behandlung. Ein gezieltes Training der Nasenatmung – mit dem Labiando® Lippentrainer – stellt dabei einen wichtiger Baustein dar.
Wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Mundatmung: www.labiando.com/auswirkungen-von-mundatmung
